Bei dir piepst´s wohl oder die Elke hat einen Vogel
Keine Angst hier handelt es sich nicht um eine untergriffige subtile Diskriminierung. Genaugenommen hat Elke sogar mehrere Vögel. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Elke betreibt nämlich eine Singvogelklinik in Lindach. Es handelt sich somit um ein Krankenhaus für verwaiste, verletzte oder kranke Vögel aller Größen, Farben und Rassen.

Aber auch Hasen und Hörnchen finden bei ihr Aufnahme und Hilfe. Elke versteht ihr Handwerk und bald geht es wieder los mit den ersten Patienten. Sie ist eine von vielen Wildtierpflegern, die ich durch meine Arbeit mit den Igeln kennen lernen durfte und in der letzten Igelsaison hat sie auch uns in der Igelpflege ganz enorm unterstützt. Sie wurde somit zur Anlaufstelle für den Bereich Vöcklabruck, Laakirchen, Gmunden und übernimmt die Tiere für die Erstversorgung und Pflege. Wir haben sozusagen eine Kooperation geschaffen. Ich übernehme umgekehrt dann im Frühling und Sommer Singvögel zur Erstversorgung und bringe Sie dann zur Elke in die Klinik. In der geplanten Wildtierstation soll deshalb auch ein Bereich für die Vögel geschaffen werden. Umgekehrt wurden z.B.: in Frankenburg und Lenzing Außengehege geschaffen um den Igeln eine artgerechtere Gefangenschaft zu ermöglichen und um den Transport kreuz und quer durch OÖ einzuschränken.
Aber nun zurück zu Elke und ihren Piepmätzen. Bei einem Besuch im Vogelzimmer geht es mitunter schon sehr laut zu. Da zwitschern schon mal 50 Tiere im Vogelkauderwelsch durcheinander und begehren ihre Futterration. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Gerade hungrige Amselbabys können einen irren Radau schlagen.
Aufpassen muss man auch was die Vogelart betrifft und welches Futter sie brauchen. Man unterscheidet hier zwischen Körnerfresser wie den Finken (Buch- und Grünfinken, Kernbeißer, Zeisige, Stieglitze), Meisen, Gimpel und Sperlinge, den Insektenfressern, das sind Amsel, Bachstelze, Blaumeise, Dorngrasmücke, Gartenbaumläufer, Gartengrasmücke, Gartenrotschwanz, Gebirgsstelze, Grauschnäpper, Halsbandschnäpper, Haubenmeise, Hausrotschwanz, Klappergrasmücke, Kohlmeise, Mehlschwalbe, Mönchsgrasmücke, Rauchschwalbe, Rotkehlchen, Schafstelze, Sommergoldhähnchen, Singdrossel, Sumpfmeise, Star, Tannenmeise, Trauerschnäpper, Uferschwalbe, Wacholderdrossel, Waldbaumläufer, Weidenmeise, Wintergoldhähnchen, Zaunkönig, Zwergschnäpper und Weichfutterfresser, wie Amseln, Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönige und Heckenbraunellen. Dem entsprechend ist auch der Futterbrei oder das Futter zusammengesetzt oder muss entsprechend der Art zubereitet werden. Mit Hilfe von Pinzetten und Spritzen werden die Pfleglinge dann gefüttert. Im letzten Jahr hat Elke so über 400 Vögeln das Leben gerettet, sie gepflegt und sie wieder freigelassen. Der Vorteil gegenüber den Igeln, liegt zum einen in der Fütterungszeit - ab 22 Uhr ist Sendepause - und in der Auswilderung. Denn Vögel braucht man einfach nur freilassen....
Die Wildtierpflege ist wahrlich kein Hobby, das du ausübst wenn du Zeit und Lust dazu hast,
nein in der Wildtierpflege bist du 7 Tage die Woche und 24 Stunden für deine Pfleglinge verantwortlich. Man muss sich bewusst sein, das diese Tiere auf längere Zeit von uns Menschen abhängig und auf uns angewiesen sind. Termine müssen dann so gelegt werden, das sie die Fütterungszeit nicht beeinflussen und du musst dann in der Zeit alles wichtige erledigen. Du kannst auch nicht einfach so mal schnell auf einen Kaffee oder Treffen. Wildtierpflege ist zeitintensiv und erfordert sehr viel an Verzicht und beeinflusst natürlich auch das Privatleben. Hat Elke dann doch einmal einen unaufschiebbaren Termin, dann werden die hungrigen Vögel inkl Futterration in den Kofferraum gepackt und so unterwegs immer wieder gefüttert. Wenn sie dann ihren Kofferraum öffnet, ist das auch ein lustiger Anblick. Da strecken dir dann unzählige Vogelkinder ihre Schnäbel entgegen und begehren lautstark ihr Futter.
Diese Art der Arbeit nebenher zu machen, funktioniert deshalb eher schlecht. Gerade in der Saison, ist auch das Telefon dein ständiger Begleiter. Tiere und Notfälle halten sich nun einmal nicht an Uhrzeiten. Deshalb haben wir auch immer geöffnet. Aber in einer Sache sind wir uns einig, das Gefühl wenn es ein Tier geschafft hat und der Natur wieder zurückgegeben werden kann, ist unbezahlbar. Es ist sowas zwischen Freude und Trauer. Natürlich wachsen einem die Tiere ans Herz. Gerade Intensivpfleglinge, die sehr viel Zeit beanspruchen, verursachen bei der Freilassung Herzschmerz. Wird er es schaffen, hat sich die ganze Arbeit und Mühe gelohnt und können sie noch lange leben....? Letztendlich können wir all diese Dinge nicht mehr beeinflussen, solange der Mensch und die Gesellschaft nicht willig sind, ihr egoistisches Verhalten zu ändern.



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